Montag, 14. Oktober 2013

Ich lebe noch! :)



Ich bin nur mit dem Internet auf Kriegsfuß. Das macht mich manchmal echt narrisch. Aber jetzt gehts grad, das muss ich ausützen. Ihr habt ja lange nichts gehört von mir, schon seit über einer Woche!

Deshalb versuch ich die vergangene Woche mal von Montag bis heute zusammenzufassen.

Letzten Montag war ich wieder in der Horrorklasse. Ich hab mich arg verschätzt, was die Anzahl der Kinder angeht. Es sind doch nicht 45, sondern 60. Zwei Lehrerinnen waren da. Die Junge hat unterrichtet, die Alte ist nur zum schimpfen reingekommen. Sie hat aber immer nur auf Twi geschimpft, ich hab nicht verstanden warum. Die Kids waren eigentlich eh sehr brav. Vielleicht aber nur, weil die junge Lehrerin ihnen ab und zu eine verpasste und die Alte generell furchtbar unheimlich ist. Ich war mir nicht sicher, ob sie mich eher an einen Affen oder an eine Hexe erinnert. Aber mittlerweile hat die Affenhexe eine neue Frisur und nennt mich nicht mehr "Obroni". Somit ist sie mir schon viel sympathischer, nur das Kinderschlagen muss ich ihr noch abgewöhnen.

In meinem Zimmer hab ich Fotos von euch aufgehengt, meine Lieben! Damit ich immer was zum lachen hab! :P


Wenn es hier ordentlich gewittert, wie in der Nacht von Sonntag auf Montag,  ist das echt irre. Man hört den Donner nicht, weil der Regen so laut ist. Da war ich wieder froh, dass ich die Ohropax aus dem Flugzeug noch hab :)

Am Dienstag in der Früh standen zwei Kinder vor meinem Fenster. Das Problem war, ich wollte schlafen und sie wollten mich nicht verstehen.

"Good morning! How are you?"
-"Yes"
"What are you doing here?"
-"Yes"
"No. Why are you not at school?"
-"Yes"
"Go to school. I am sleeping. I will come to school later."
-"Yes" ... sie bewegten sich aber kein Stück...
..."Now go to school!"
-"Yes"...



Simone und ich auf den Kindergarten zugingen, kamen zwei Buben auf mich zugerannt und umarmten mich. So süß! Alle Kinder lieben meine Armbänder mit den Glöckchen. Von den Burschen aus den Primary Klassen 1 und 2 bekomm ich jetzt immer Gummiringerln geschenkt, die ich mir aufs Handgenk binden soll. Da hab ich schon eine ganze Sammlung. Rot-Gelb-Grün :)

Am Dienstag hatte ich meine erste Englisch-Stunde in der P2 Klasse. Der kleine Raum war voller Kinder. 60! Daraus könnte man 3 Klassen machen! Und nur jedes dritte Kind hatte ein Buch. Laut Buch sollte ich eine Talking-exercise mit ihnen machen. Ein Dialog. Mit 60 Kindern. Sehr witzig, hab ich mir bei der Vorbereitung gedacht. Es hat dann aber erstaunlich gut funktioniert. Der Unterricht schaut generell so aus: Die Lehrerin sagt etwas, die Schüler wiederholen es. Die Kinder sind wahre Champions, wenns ums nachplappern geht. Fragt man sie dann aber etwas, oder müssen sie etwas aufschreiben, stellt sich heraus, dass viele nichts kapiert haben. Aber wie soll man in einer Klasse mit 60 Kindern anders unterrichten, wenn es sowieso an allen Ecken und Enden fehlt? Es mangelt an Grundkenntnissen wie Lesen und Schreiben, Büchern, Heften, Schreibutensilien, Bildmaterial, Kopien, Plakaten...

Angeblich sollten die Kinder im Kindergarten Lesen und Schreiben lernen, aber das tun sie nicht, und wenn, dann komplett falsch. Ich war lange nicht mehr im KG, aber Simone hat erzählt, die Lehrerinnen dort machen an einem Tag das ganze Alphabet durch, die Kinder plappern es auswendig nach, und am nächsten Tag machen sie das Twi Alphabet. Das kann einfach nicht funktionieren. Mich wundert es bei solchen Verhältnissen echt, dass manche Kinder tatsächlich Lesen und Schreiben können.
Hefte zum korrigieren
Primary 1
Primary 2 - Die Kinder sind nicht am gleichen Stand.

Am Mittwoch hab ich mir frei genommen. Ich hatte keine Stimme mehr zum Unterrichten, hab am Diensatg zu viel geschrien :)

Am Nachmittag waren wir beim Rotary-Club-Meeting, Mr. Fei ist Rotarier. Alle waren sie begeistert, als ich ihnen erzählt hab, dass ich von zwei RCs unterstützt werde, und sie wollen Kontakt aufnehmen! Am Abend haben wir bei uns im Garten Paprika und Tomaten gepflanzt. Hoffentlich kann ich da noch was ernten, bevor ich wieder heim fahr!

Am Donnerstag in der Früh sind wir bei Laufen auf der Straße fast auf eine über einen Meter lange Waldkobra getreten. Aber ein Auto ist uns leider zuvorgekommen. Vielleicht waren es auch zwei oder drei Autos. Sie war schon ein bisschen flach. Aber seit dieser Begegnung renn ich nicht mehr im Dunkeln
ohne Licht herum, und schau beim gehen auf den Boden. Am Nachmittag war unser Garten voller großer, kleiner, haareflechtender, Fußball und Frisby spielender, durch die Luft springender und am Boden kullernder Kinder. Simone hat eine neue Frisur verpasst bekommen. Ich hab versucht, die Kinder beim Spielen zu fotografieren, aber das ist nicht so leicht. Sobald sie eine Kamera sehen, fangen sie an zu posen und sich in jedes Bild zu drängen. "Picture me! Picture me"


Frühstück: Ananas und Papaya










Am Freitag hab ich mich mit dem Internet herumgeärgert und bin zu sonst nichts gekommen, was mich noch mehr geärgert hat.
Education Week - die Schüler marschieren auf der Straße, kehren, tanzen und singen.

Dafür war der Samstag spannend. Simone und ich waren zu ersten Mal allein in Kumasi unterwegs. Und haben sogar das Trotro nach Adumasa gefunden. Trotrofahren ist echt cool. Voll viele Menschen in einem Minibus, der über die holprigen Straßen schaukelt. Neben und auf der Straße stehen immer wieder Verkäufer mit allen möglichen Waren: Wasser, Brot, SIM-Karten, BHs, Polster, Stoffe, Eis...bei denen man aus dem Trotro einkaufen kann, wenn man schnell ist :)

Wir sind gemeinsam mit Seth mit dem Taxi zu seiner neuen Schule gefahren, wo er am Montag anfangen wird. Er will Lehrer werden und hat glücklicher Weise Sponsoren gefunden, die ihm seine Ausbildung finanzieren. Ohne Sponsoren wäre es nicht möglich. Er wohnte bis jetzt bei seiner Cousine. Wir waren bei den Verwandten, um Seth´s Sachen zu packen. Die habens leider nicht so luxuriös, wie wir im Gästehaus. Kinder, in zerfetzten Kleidern, die mit Dosen spielen. Kein Wasser aus der Leitung, Hühner, die im Müll herumsparzieren, überall Fliegen. Aber süße Katzerln und Welpen haben sie. Und sie waren alle total aufgeregt, als wir auf einmal vor ihrer Haustür standen. Die eine Frau hat sich so gefreut, dass sie jetzt doch noch einmal im Leben die Möglichkeit hat, eine Weiße in ihrem Haus zu begrüßen. :)

Im Culture Center hab ich dannmein erstes Bier seit wochen getrunken. Herrlich. Und natürlich hab ich die Warnung im Reiseführer ignoriert. "Kein Alkohol vor Sonnenuntergang". Haha.

Mir war nach dem halben Bier schon echt schwindlig. Das is die Hitz :P

 Gestern waren wir kurz in Adumasa im Gottesdienst. Es war alles auf Twi und sehr laut. Wir haben uns gefreut, als Mr. Fei angerufen hat und gesagt hat, er holt uns ab. Wir haben nicht genau verstanden, was geplan ist. Simone Sam und ich wurden zu einer Gruppe von Kirchenmenschen gebracht, die sich ein paar Sehenswürdigkeiten in Kumasi anschauten. Zuerst rannten wir durchs Kriegsmuseum. Dann fuhren wir zum Königspalast und gaben uns dort das nächste Museum. Die Führung war auf Twi, dauerte ewig lang und ich war grantig, weil ich Hunger hatte. Den König von Ashanti haben wir auch kurz gesehen. Ich will da nochmal allein in Ruhe hin, wenn ich nicht hungrig bin, weil ich glaub, das war eigentlich interessant. :)

Dann gabs in der Presby Church für alle etwas zum Essen. Endlich! Reis mit Huhn oder Fisch. Ich wollte weder Huhn noch Fisch, weil ich mir in den Kopf gesetzt hab, das nächste Tier, das ich ess, töte ich selbst und vor dem Fisch hier ekel ich mich sowieso. Also nur Reis. Viel Essen konnte ich vom Reis nicht. Der war so extrem scharf! Wir haben uns dann am Heimweg noch gegrillte Kochbananen gekauft. Soooo gut! :) Da war ich dann wieder glücklich :) Aber müde.

Heute hatten wir eine Diskussion mit dem Direktor der Primary und der Direktorin der Junion High School, bezüglich der Bestrafung der Kinder. Da wird jetzt was gemacht. Angeblich verbietet die Regierung das Schlagen von Kindern als Strafe nicht komplett, aber es soll die letzte Konsequenz sein. Bis sich die Vorschriften der Regierung ändern, könnte es noch länger dauern. Aber jetzt gilt es erst Mal, die jetzigen Vorschriften einzuhalten. Der Stock wird hier nämlich nicht nur in besonders schweren Fällen eingesetzt. Die Kinder werden von einigen Lehrern für die kleinsten Fehler geschlagen. Oft einfach nur, wenn sie nicht aufpassen. Dem wird jetzt ein Ende gesetzt.

Sonntag, 6. Oktober 2013

Sonntagsprogramm


Um 5:00 sind wir heute schon aufgestanden, um 6:00 verließen wir das Haus, um bei der nächsten Haltestelle auf ein Trotro zu warten. Es waren erstaunlich viele Leute unterwegs. Ich hab Mr. Fei gefragt, wann er normalerweise aufsteht. Spätestens um 4. Da schlaf ich normal erst ein, weils um unser Haus immer so laut ist. Man hört rund um die Uhr Gottesdienste aus irgendwelchen Lautsprechern. Die Familie von Nachtwächter ist auch immer so laut. Vor allem die Frau! Ich hab sie noch nie gesehn, weil sie immer erst antanzt, wenn ich schon im Bett lieg und schlafen will. Aber wenn sie redet, kommts mir vor als würde Big Mama direkt hinter mir stehen. Gestern wars erstaunlich ruhig. Man hörte nur die Vögel und Heuschrecken.  Aber wenn ich jetzt schon anfang über dicke Menschen zu schreiben, was solls. Eigentlich wollt ich euch heut von unserem Kirchenbesuch erzählen. Dann bleiben wir mal beim Essen. Nach unserem heutigen Morning Service, das sehr lange, und für mich sehr verstörend war, kamen Mr. Fei, seine Frau Agnes, Seth und Sam zu uns, um bei uns zu kochen. Es wurde richtig fett aufgetischt und es ist noch genug übrig für die ganze Woche, glaub ich. Wir starteten mit fried Yam. Yam ist eine Wurzel, so ähnlich wie bei uns Kartoffeln, nur viel größer. dann gabs Reis, gekochte Yam, Gemüse, irgendso eine fette Sauce mit Fisch, Eier, und damit wir am Abend nicht verhungern hat uns Agnes auch noch Suppe vorgekocht. Nach dem essen fanden wir eine Waage im Raum von Mr. Fei. Ich meinte, wir sollten sie mal ausprobieren. Nur zum Scherz. Wir hatten gerade gegessen und ich wollte nicht wissen, wieviel ich wiege. Andererseits wollte ich nicht vor der Wahrheit davonlaufen. Wir stiegen also nacheinander auf die Waage. Mr. Fei, ich, und dann Simone. Das verdarb uns den Tag. :) Nein, nicht ganz so schlimm. Ich war so stolz auf mich, dass ich es 11 Tage ohne Sport ausgehalten hab, ohne einen Nervenzusammenbruch zu bekommen. Aber jezt gehts nicht mehr! Heute wird das Training wieder aufgenommen. Das muss einfach sein. Die ghanaische Küche ist so unvorstellbar fett. Alles trieft nur so. Wir versuchen möglichst oft selbst zu kochen. Aber manchmal lässt sichs einfach nicht vermeiden, heute zum Beispiel. Mann will dann halt auch alles mal ausprobieren und den Koch/ die Köchin nicht beleidigen. Es schmeckt ja wohl sehr gut! Gestern hab ich Seth, der für uns kocht, von meiner Befürchtung hier zuzunehmen erzählt. Mit den Worten "I don´t want you to get fat!" hat er begonnen, das Öl aus der Sauce wieder abzuschöpfen. :)

Aber das Essen bekommt mal einen eigenen Blogeintrag.

Jetzt zur Kirche. Die begann tatsächlich um 7:00. So ein Gottesdienst ist hier ganz anders. Als wir ankamen, wars kurz nach 7 und die Kirche  war halb leer. Die Leute, die da waren, tanzten herum und jeder begrüßte jeden. Mit der Zeit füllte sich die Kirche dann. Wir hatten einen Platz ziemlich weit vorne. Es waren einige wichtige Leute hier, Ehrengäste sozusagen, die hinter dem Altar saßen. Wer die genau waren, weiß ich nicht. Mr. Fei war auch unter ihnen. Der Anfang vom Gottesdienst war halbwegs normal. Einer hat gepredigt, und es gab immer wieder Lesungen. Aber bis ich die richtige Stelle in der Bibel gefunden habe, wars meistens schon zu spät. Eigentlich war der Gottesdienst auf Englisch, aber zwischendurch wurde dann immer wieder auf Twi gesprochen. Meisten haben die Leute das dann gelacht. Ich hatte Hunger und war müde, ich wäre sicher eingeschlafen, wenn der Prediger nicht so geschrien hätte.

Dann mussten auf einmal alle aufstehen und beten. Wenn es heißt, "now pray", fangen alle an zu beten. Alle! Und zwar nicht leise in Gedanken, sondern laut, jeder was anderes. Da wirds dann ziemlich laut in der Kirche. Dann sollten wir die Hände hoch heben und den heiligen Geist empfangen. Da wurde es dann echt ein bisschen unheimlich. Die Leute murmelten irgendwas vor sich hin, manche fingen an zu zittern, einige schüttelte es richtig. Hinter mir fingen ein paar Leute an zu weinen und zu schreien. Das war echt nicht so meins. Dann wurden die, die geschrien haben und anscheinend vom heiligen Geist "erfüllt" worden sind hinaus zum Altar geholt. Auch die wichtigen Leute stellten sich in einer Reihe auf und der Prediger gab allen ein kräftiges High-Five während er schrie "Touch them holy spirit, touch them". Einen alten Mann hat der Touch vom Holy Spirit umgehauen und ein Kirchenhelferlein musste ihn wieder auf die Beine helfen. Dann wurden die wichtigen Leute aufgefordert den heiligen Geist an die unwichtigen Leute weiterzugeben. "Touch them all for the Lord!"

Bei den Abkündigungen wurden alle Gottesdienstbesucher zu diversen Beerdigungen und Hochzeiten eingeladen und darauf aufmerksam gemacht, dass sie sich gesund ernähren und Rauchmelder zu Hause und im Büro installieren sollten.

Die Kollekte ging, soweit ichs verstanden hab, an einen Pfarrer und ans Head Office.

Abgesehen davon, war der Gottesdienst so nach dem Motto: "Schämt euch, ihr seid keine richtigen Christen sondern nur religiös, ihr müsst Gott voll und ganz vertrauen, tut was für die Gemeinde!" Für mich waren die Themen irgendwie nicht greifbar und viel zu abstrakt. Ich frag mich, wie die Leute an so einen Gott glauben können. Vielleicht hab ichs auch einfach nicht richtig verstanden.

Simone und ich waren gerade laufen! 45min :)
Ja Mama, ich hatte mein Messer dabei.
Wir sind nicht Richtung Kumasi, sondern in Richtung Provinz gelaufen, da waren wir noch nie. Im nächsten Ort ist heut ein Begräbnis gewesen. Die Straße war voller Leute, die uns anstarrten, als wären wir Aliens. Sie sehen wohl nicht oft weiße, joggende Mädchen. :)


Samstag, 5. Oktober 2013

Affenattacke die dritte

Die Tiere im Zoo von Kumasi habens leider nicht so luxuriös wie die bei uns in Schönbrunn. Im Gegenteil. Bei uns würde man keinem Tier zumuten, so leben zu müssen. Da kann man schon verstehen, dass die Viecher mal aggressiv werden.
Gleich zu Beginn wurde Simone von einem Kamel getreten. Passiert einem auch nicht jeden Tag. Wir sahen Maultiere, Duikers, Fledermäuse, Stachelschweine, Warzenschweine, Strauße, Krokodile, Schlangen, ein einsames Elefantenbaby, dass aus seinem Käfig ausbrechen wollte, viele Vögel, die auch schon bessere Zeiten erlebt haben und einige Affen. Ein Äffchen war ein kleiner Erpresser. Man musste vorher bezahlen, wenn man ein Kunststück sehen wollte. Wenn man dass "Action!" rief, machte er ein oder zwei Saltos und streckte einem dan wieder die Hand entgegen, für ein weiteres Stück Banane. Einem größeren, schwarzen Affen gefiel es nicht, dass wir ihn so anstarrten. Er rannte eine Runde in seinem Käfig, griff sich eine Hand voll Erde, schwang sich die Gitterstäbe hinauf und beschoss uns laut kreischend. In dem Fall waren wir echt froh, dass der nicht frei rumgelaufen ist, wie das Kamel. Die großen Tiere mögen uns wohl nicht so. Dafür lieben uns die kleinen. Ich werde jeden Tag von Mosquitos und kleinen Fliegen gestochen. Aber bis jetzt gibt es noch keine Anzeichen von irgendwelchen Krankheiten.
Das Elefantenbaby ohne Mama
Das böse Kamel
Das Kamel startet die Attacke

Erpresseräffchen
Man könnte meinen, sie seien tot.
Meine erste Unterrichtsstunde war übrigens super! Den Kindern hats getaugt, und mir auch! Das Thema war "Characteristics of plants". Ich hab ein paar Blätter aus unserem Garten mitgebracht und dann die Kinder in den Schulhof geschickt, um weitere zu suchen. Dann haben wir die Blätter nach Größe sortiert, anschließend in Blätter mit/ohne Geruch. Dann haben wir besprochen, von welchen Pflanzen die Blätter stammen und wofür diese Pflanzen genutzt werden. Seth, unser Koch, hat mir beim unterrichen geholfen und den Kindern alles auf Twi übersetzt, was sie nicht verstanden haben. Die Kinder waren echt erstaunlich konzentriert und brav. Am Donnerstag hatte ich die English-lesson in der selben Klasse. Das Thema war "How to prevent Malaria".
Ich machs jetzt immer so, dass ich nur für meine Stunden in die Schule komme. Sonst stör ich nur den Unterricht, weil sich die Kinder immer zu mir umdrehen und mir winken. Wenn ich in der Schule nichts zu tun hab, male ich daheim im Gästehaus Bilder für den Kindergarten. Gegenstände, Tiere, Augen, Nase, Mund, das Alphabet... Es gibt hier generell wenig Plakate und andere Hilfsmittel, um den Kindern das lernen zu erleichtern.

Heute war bei uns Waschtag. Meine Hände sind wund. Ich habe den ganzen Tag gewaschen. Und telefoniert :)
Ich hab jetzt endlich eine Vodafon SIM-Karte. MTN war viel zu teuer. Eine Minute nach Österreich kostete 0,96GHC. Wie viel es jetzt kostet, weiß ich nicht. Auf jeden Fall viel weniger. Aus irgendeinem Grund krieg ich außerdem das doppelte Guthaben gratis dazu. :)
Auf meiner österreichischen Nummer bin ich jetzt also nicht mehr erreichbar.

Das Bilderhochladen klappt heute nicht. Die Internetverbindung ist zu schlecht. Ich versuchs morgen nochmal. Jetz schau ich, dass ich ins Bett komm. Wir müssen morgen schon um 7:00 in dier Kirche in Kumasi sein und mit dem Trotro dort hinfahren. Dementsprechend müssen wir schon früh aufstehen, um 5:00! Also gute Nacht!

Dienstag, 1. Oktober 2013

Schule in Adumasa - Die ersten Eindrücke

Am Freitag besuchte ich das erste mal den Kindergarten. Der Kindergarten ist anders als ein Kindergarten bei uns. Die Kinder sind ein bisschen älter, wie alt, wissen sie selbst nicht. Ich bin mir nicht sicher, ob die Kinder hier spielen, oder wie in der Schule lernen sollten. Ich glaube, es ist so ein Mittelding. Aber statt spielerisch lernen wird hier entweder nichts gemacht oder von beidem zu wenig und nicht in der richtigen Reihenfolge. Freitag ist aber anscheinend Feiertag, das heißt, es werden ein paar Lieder gesungen und dann ist "Time to play". Aber das heißt nicht, dass die Lehrerinnen irgendetwas zum spielen vorbereitet hätten. Die Kinder gehn einfach raus. Und weil ihnen fad ist, fangen sie an zu raufen. Die Lehrerinnen tun nichts. Sie machen sich gegenseitig die Haare.
Gestern verbrachte ich den Vormittag in der ersten Primary-Klasse. Hier ging etwas weiter. Die Lehrerin in der P1 Klasse ist sehr geduldig und was noch viel wichtiger ist, sie verwedet den Stock nicht (zumindest wenn ich da bin), und die Kinder benehmen sich trotzdem. Morgen darf ich die Science-lesson leiten. Das Thema: "Characteristics of plants".
Das mit dem schlagen der Kinder ist ein schwieriges Thema. Simone, Sam, Seth und ich reden oft darüber. Heute war ich in einer Klasse, wo die Schüler oft geschlagen werden. Die Lehrerin wollte, dass ich auf ihre 40 Kinder aufpasse während sie weg ist. Sie hat mir nicht gesagt, wohin sie geht, nur, dass sie "bald" kommen wüde.
Das winzige Klassenzimmer war von vorne bis hinter vollgestellt mit Stühlen und Bänken und voller schreiender Kinder. Sie haben mich nicht verstanden, weils so laut war, und ich hab sie nicht verstanden, weil sie mit mir auf Twi reden wollten. Ich hab versucht ihnen zu erklären wer ich bin, woher ich komme, und wie ich hier her gekommen bin. Ich hab ein bisschen was auf die Tafel gekritzelt. Meinen Namen, die Erde, Österreich, ein Flugzeug. Alle haben durcheinander geschrien. Sie sollen aufzeigen, wenn sie was fragen wollen.. Dann hab ich die drangenommen, die aufgezeigt haben. Sie haben dann solche Sachen gesagt, wie "plane","car", irgendwelche Wörter! Es war immernoch unheimlich laut.
Ich beschloss, mit ihnen "Head and shoulders, knees and toes zu singen"
 Das hab ich drei oder vier mal gemacht, als die komische Lehrerin dann immer noch nicht da war, bin ich abgefahren.
 Das Problem mit solchen Kindern ist, dass sie gewohnt sind, geschlagen zu werden. Es gibt hier nur diese eine Strafe. Es gibt kein Mitarbeitsminus, keine Verhaltensnote, keinen Schulverweis. Es gibt nur den Stock. Hat man keinen Stock in der Hand, ist man kein Lehrer und man wird ignoriert. Ich muss erst einen Weg finden, wie ich mit den Kindern umgehe. Wenn es weniger sind, komm ich gut mit ihnen zurecht. Aber das heute war echt der Horror. Daran sind die Lehrer schuld. Kinder, die nicht geschlagen werden, können sich benehmen, wenn man nicht mit der Rute dasteht.
Die Schule beginnt so zwischen 8 und halb 9.

Die Schüler müssen sich Klassenweise in Reihen aufstellen, es wird gebetet und gesungen "God bless our homeland Ghana" und dann marschieden die Klassen in ihre Räume.

Paulina

Alle werden gern fotografiert

Manchmal merken sie es nicht :)


An sich sind die Kleinen eigentlich total süß! Ich versteh nicht, wie man als Lehrer, solche Kiner überhaupt schlagen kann! Eigentlich sollten ja Lehrer Kinder mögen. Aber wenn dann im Kindergarten wieder Mal ein Kind vom Ringelspiel fällt und weint, dann ist das den "Madams" egal. Solls heulen!
Wir bekommen öfters Besuch. Bei uns wird dann gebastelt und gespielt. Wenn man sich mit den Kindern beschäftigt, lernen sie total schnell, was Manieren angeht. Bei uns im Haus wird nicht geschlagen. Wer sich nicht daran hält, muss gehen. Wenn man ein Blatt Papier haben will, fragt man höflich. Und es funktioniert! Ganz ohne Gewalt!
Die fleißigen Bastler


So jetzt werd ich mal versuchen, die Erlebnisse der letzten Tage bis heute zu schildern, damit ihr nicht mehr so hinten nach seid. Ich schreib mir ja so viel auf! :)

Am Freitag haben Simone und ich den Kindergarten besucht. Mit großen, braunen Augen wurden wir angestarrt. Ich kann mich nicht erinnern, jemals so süße Kinder gesehen zu haben! Aber sie sind auch sehr undiszipliniert und frech, vor allem die Burschen. Oft weiß ich nicht, ob die Kinder Englisch sprechen oder Twi. Sie reden so leise. Aber ich hab auch bei den Erwachsnen meine Probleme, was das Verstehen angeht. Die Kinder haben blaue Schuluniformen und kahlgeschorene Köpfe. Mir wurde erzählt, dass es sehr teuer ist, lange Haare zu haben. Hab ich selbst auch schon gemerkt. Ein Shampoo kostet 11GHC,also über 4 Euro und das ist noch lange kein teures! Man bedenke, die jüngeren Leute, mit denen ich zu tun habe, verdienen im Monat ca. 30 GHC!
Wir waren auch schon in Kumasi in einem Supermarkt einkaufen. Das hat ziemlich lange gedauerte. Aber das ist normal hier, hier chillen alle (auch beim Straßenüberqueren). Die Kassafrau musste alles extra eintippen. Die Einpackfrau packt jedes einzelne gekaufte Stück in ein eigenes Plastiksackerl, wenn man sie nicht davon abhält. Ich hab geglaubt ich seh nicht richtig! Es liegt eh überall so viel Müll herum! Es ist einfach jedem egal, was mit dem Plastik passiert. Alles wird hundertmal eingepackt in irgendwelche Folien und Sackerln! Wenn man sich etwas zum Essen kauft, z. B. Reis, wird der in ein Plastiksackerl geschaufelt. Sogar Wasser gibt es in Plastiksackerln!

Es tut mir sehr leid, der Strob ist gerade wieder mal ausgefallen und ich hab kein Licht, um meine Notizen zu lesen. Ich improvisier ab jetzt.

Am Samstag... hmm. ich weiß nicht mehr so genau, ich glaub am Samstag haben wir nichts gemacht. Simone hat Wäsche gewaschen und ich hab...
Yessss das Licht ist wieder da!
Ich hab das Geschirrabtropfgestell von seiner grünen Schleimschicht befreit. Das Ding war schon richtig eklig. voll glitschig - voller Bakterien und Algen. Es gammelt hier alles ziemlich schnell, weil die Luftfeuchtigkeit sehr hoch ist. Aber es ist gar nicht so heiß. Also hat schon warm, aber meistens ist es Bewölkt und die Sonne brennt nicht so runter. Regenzeit eben. Aber wenns regnet, dann richtig!

Die Internetverbindung ist manchmal gut, aber meistens echt langsam. An diesem Post schreib ich jetzt schon seit gestern. Ich werds lieber mal bei dem belassen und einen neuen anfangen, sonst kennt sich keiner mehr aus! :)